Heute Nacht ist Wintersonnenwende. Besonders in der letzten Woche ist mir in Hamburg aufgefallen, wie es morgens eigentlich garnicht richtig hell wird. Für Menschen, die früh aus dem Haus müssen und den ganzen Tag arbeiten, ist es besonders hart, weil sie eigentlich überhaupt kein Tageslicht abbekommen, wenn sie nicht in der Mittagspause wenigstens einmal eine Runde um den Block laufen. In diesen Tagen bemerken wir am meisten, wie sehr uns das Tageslicht fehlt – für die Stimmung, für die Lebenskraft und nicht zuletzt für die Hoffnung. Alles ist leichter mit Licht. Für mich jedenfalls. Das muss aber nicht für alle so sein. Erst neulich hatte ich ein Gespräch mit jemandem, der die Dunkelheit sehr gerne mag. Weil man sich darin so gut verstecken kann. Weil sie einen umgeben kann wie eine wohlwollende Stille. Weil die Dunkelheit einem irgendwie Ruhe gibt und auch die Berechtigung, sich zuhause auf dem Sofa mit einer Tasse Tee einzukuscheln und ein gutes Buch zu lesen. Oder Tag zu träumen, sich Gedanken zu machen. Zu reflektieren und kontemplieren.

Die Wintersonnenwende ist aber nicht nur der Tiefpunkt der Dunkelheit, sie ist auch eine Zeit des Lichts. Weil es draußen früh dunkel wird, zünden wir im Haus Lichter an, in vielen Ländern werden zur Rückkehr des Lichtes Feste gefeiert. Ob das Diwali-Fest in Indien, das hindusitische Lichterfest, das 1-2 Monate vor der Wintersonnenwende gefeiert wird, Chanukka, das jüdische Fest zur Erinnerung an die Einweihung des zweiten Tempels in Jerusalem oder das nordeuropäische Julfest, das je nach religiöser Zuordnung zwischen der Wintersonnenwende und Anfang Februar gefeiert wird. In der vorkirchlichen Zeit wurde das Fest noch in der Mitte des Winters, also zwischen 12- und 14. Januar gefeiert, später auf den Termin der Geburt Jesu vorverlegt. Überall auf der Welt wird das Licht gefeiert und der Beginn eines neuen Zyklusses begrüßt.

Naturgemäß blicken wir in diesen Tagen zurück auf das hinter uns liegende Jahr. Die Wintersonnenwende ist daher auch oft der Beginn der traditionell überlieferten Rauhnächte. Da wir in der heutigen Zeit bis zum Heiligen Abend noch so viel zu erledigen haben, erst die Tage danach wirklich ruhiger werden und Zeit zur Inneren Einkehr erlauben, beginnen viele die Rauhnächte erst nach Heilig Abend.

Die Rauhnächte sind ein wunderschönes Ritual, sich bewusst zu machen, was im letzten Jahr alles passiert ist und was man sich vom nächsten Jahr wünscht. Die ruhigen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, bieten sich wunderbar an, sich mit dem Rückblick auf das alte Jahr und den Wünschen und Plänen für das Neue Jahr zu beschäftigen.

Die Rauhnächte sind ein alter europäischer Brauchtum. Vermutlich haben sie ihren Ursprung in der Zeitrechnung nach einem Mondjahr. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage. Die auf die im Sonnenkalender 365 Tage fehlenden Tage wurden als “tote Tage” bezeichnet und der Mythologie nach wurde angenommen, dass die Gesetze der Natur außer Kraft getreten sind und somit auch die Grenzen zu anderen Welten gefallen sind. Deswegen diente diese Zeit früher dem Austreiben der Geister, dem Räuchern, oder der Wilden Jagd zur Mitte der Rauhnächte, heute Silvester, in der das Geisterreich geöffnet und Verstorbene sowie Dämonen Ausgang hatten und durch Bräuche wie das Böllern oder Feuerwerk vertrieben werden sollten.

Die Rauhnächte waren heilige Nächte, in ihnen wurde nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, beobachtet, und mit der Familie Zeit verbracht. Es war wichtig, in der Zeit der Rauhnächte alles in der Wohnung und sich selbst rein und sauber zu halten. Deswegen wurde bereits vor den Rauhnächten alles erledigt, am Tag des heiligen Tomas, der Wintersonnenwende wurde das Haus und die Stallungen ausgeräuchtert, um die bösen Geister zu vertreiben, damit sie die heiligen Nächte nicht störten. Am wichtigsten während der Rauhnächte war aber das genaue Beobachten: wie das Wetter war, was am Tage geschah, wie das Essen geschmeckt hat, ob gestritten wurde oder alles reibungslos verlief. Daraufhin wurden die kommenden Monate gedeutet – die erste Nacht steht für den ersten Monat oder auch das Sternzeichen Steinbock, die zweite Nacht für den Monat Februar oder das Sternzeichen Wassermann und so weiter.

Dieses Jahr werde ich meinen ersten Artikel für die Rauhnächte am Heiligen Abend online stellen. So könnt Ihr selbst entscheiden, ob Ihr am Heiligen Abend oder am 25. damit beginnen wollt. Die Tage vor Heilig Abend könnt Ihr dementsprechend in alter Tradition nutzen, die Wohnung von allem zu befreien, was im neuen Jahr nicht mehr gebraucht wird. Alles entrümpeln und noch einmal einen Großputz vor den heiligen Tagen machen. Vielleicht wollt Ihr sogar räuchern oder in jedem Zimmer ein paar Kerzen aufstellen und die alten Energien so aus Eurem Zuhause schicken.

Heute zur Wintersonnenwende wünsche ich Euch einen wunderschönen Abend! Kuschelt Euch auf dem Sofa zusammen, macht Euch ein paar Kerzen an und denkt an all Eure tollen Momente in 2017!

 

 

Tonight is winter solstice. Especially in the last week I noticed in Hamburg how it is not really light in the morning. For people who leave early and work all day, it’s especially hard because they actually do not get daylight unless they have a walk during lunch break. These days, we notice most of all the lack of daylight – for the mood, for the vitality and not least for the hope. Everything is easier with light.At least for me it is. But that does not have to be the same for everyone. Recently, I had a conversation with someone who likes the darkness very much. Because you can hide in it so well. Because shecan surround you like a benevolent silence. Because the darkness gives somehow peace and also the right to cuddle up with a cup of tea and read a good book at home on the sofa. Or to daydream, to think about stuff. To reflect and contemplate.
The winter solstice is not only the low point of the darkness, it is also a time of light. Because it is getting dark outside early in the evening, we light the house, and festivals are celebrated in many countries for the return of light. Whether the Diwali festival in India, the Hindu festival of lights celebrated 1-2 months before the winter solstice, Hanukkah, the Jewish festival commemorating the inauguration of the Second Temple in Jerusalem or the northern European Jul festival, which varies according to religious affiliation and is celebrated in early February. In the pre-church period, the festival was still celebrated in the middle of winter, between 12 and 14 January, later preposed to the date of the birth of Jesus. All over the world the light is celebrated and the beginning of a new cycle is welcomed.

Naturally, we are looking back at the year behind us in these days. The winter solstice is therefore often the beginning of the traditional Rauhnächte. Since we have nowadays so much to do in the last days before Christmas Eve, only the days after really bring quiet and allow time for inner contemplation, many start the Rauhnächte only after Christmas Eve.
The Rauhnächte is a beautiful ritual to realize what has happened in the last year and what you want from next year. The quiet days between Christmas and New Year are a wonderful time to look back on the old year and the wishes and plans for the New Year.

The Rauhnächte are an old European tradition. Presumably, they have their origin in counting the days in the lunar year. One year out of twelve lunar months only covers 354 days. The days missing from 365 days in the solar calendar were referred to as „dead days“ and according to mythology, it was assumed that the laws of nature have expired and thus the boundaries to other worlds have fallen. Therefore, this time was previously used to drive out the spirits, to do the smoking, or the Wild Hunt to the middle of the Rauhnächte, today New Year’s Eve, in which the spiritual world opened up and werwolves and demons were out and around and should be expelled by rituals such as the fireworks.

The Rauhnächte were holy nights, people did not work during those nights, but only celebrate, observe, and spend time with the family. It was important to keep everything in the house and yourself clean and tidy during the Rauhnächte period. Therefore, everything was done before the Rauhnächte, starting on the day of St. Tomas, the winter solstice, the house and the stables were wiped out to send away the old energies, so they did not disturb the holy nights. Most important during the Rauhnächte was the exact observation: how the weather was, what happened during the day, how the food tasted, whether there was arguing or everything went smoothly. As a result, the coming months were interpreted – the first night stands for the first month or the Capricorn, the second night for the month of February or the zodiac sign Aquarius and so on.

This year I will post my first article for the first Rauhnacht on Christmas Eve. So you can decide for yourself whether you want to start on Christmas Eve or on the 25th. Accordingly, you can use the days before Christmas Eve to free the apartment of everything that is no longer needed in the New Year. Declutter everything and once again make a large plaster before the holy days. You may even want to smoke or set up a few candles in each room and send the old energies out of your home.

So for tonight – enjoy the longest night of the year, cuddle on the sofa, light up some candles and think of all the great moments you had in 2017!