(Der Artikel wurde veröffentlicht in der ersten Ausgabe von „Ein guter Plan.“, seitdem mein täglicher Begleiter und großartige Unterstützung in allen Lebenslagen! Schaut mal ‚rein!)

 

In meiner Arbeit als Coach setze ich mich täglich mit der Frage auseindander, wie man glücklicher mit seinem Job werden kann. Wer zeitweise lustlos oder unzufrieden ist, muss nicht gleich komplett von vorne anfangen. Manchmal führen schon Kleinigkeiten oder ein Perspektivwechsel dazu, dass man morgens wieder gern zur Arbeit geht. Im Folgenden habe ich drei Wege aufgezeichnet, mit denen Du sofort anfangen kannst, an Deiner jetzigen Situation etwas zu ändern. Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es ständig darum geht, was wir alles noch zu erledigen haben. Hand aufs Herz, wer von uns hat nicht vollgepackte To-Do-Listen, ausgebuchte Wochenpläne, selbst unsere freie Zeit ist oft durchgeplant. Ständig sind wir gestresst, hetzen von Termin zu Termin, setzen uns mit Abgabeterminen unter Druck und haben doch ständig zu wenig Zeit für alles. Es gibt einen schönen Spruch, der belegt, welchem Irrsinn wir damit hinterherlaufen: Ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter. Ertappt. Am Ende sind wir es selbst, die uns immer weiter anspornen und mehr wollen. Mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Anerkennung. Nicht selten führt das zu Erschöpfung und Unzufriedenheit bis hin zu unserer neuen Volkskrankheit Burnout. Zeit, einmal aus diesem Hamsterrad auszusteigen und sich das Ganze mit etwas mehr Abstand anzuschauen.

Dazu musst Du nicht gleich auswandern, kündigen oder Deinen Job komplett in Frage stellen. Schon wenige achtsame Momente am Tag machen Dich zufriedener, beugen einem Burnout vor und erhöhen Deine Lebensqualität. Diese Momente kannst Du auch ganz einfach bei Deiner Arbeit integrieren. Eine Studie aus dem Jahr 2013 belegt, dass es einen signifikanten Zusammenhang gibt zwischen Achtsamkeit im Arbeitsalltag und der Reduktion von emotionaler Erschöpfung sowie der Steigerung von Zufriedenheit im Job.

 

ACHTSAMKEIT STATT BURNOUT

Ist Dein erster Gedanke jetzt: Wie soll ich mir denn dafür auch noch Zeit nehmen? Keine Sorge, achtsam durchs Leben zu gehen, erfordert nicht mehr Zeit oder eine bestimmte Fähigkeit. Im Kern geht es darum, sich den Moment bewusst zu machen. Mit allen Sinnen wahrzunehmen, was genau in diesem Moment ist. Sich auf das Jetzt zu konzentrieren und jedes Detail zu beachten. Nicht mit unseren ersten Gedanken beim Aufwachen schon bei unserem ersten Termin zu sein, unter der Dusche die Tagesplanung durchzugehen oder auch beim ersten Kaffee in Erinnerungen an den gestrigen Abend zu schwelgen. Achtsamkeit heißt, die Gedanken immer wieder sanft zurückzuführen in den aktuellen Augenblick. Was passiert gerade – in mir, um mich herum, was nehme ich wahr, wie reagiere ich?

Ob unter der Dusche, beim Zubereiten unseres Frühstücks, in der U-Bahn, in einem bewussten Moment an unserem Schreibtisch oder genau jetzt in diesem Moment, in dem Du diesen Artikel liest. Lass das Buch einen Moment sinken, schau Dich um, nimm einmal genau Deine Umgebung wahr. Achte auf Deinen Atem, spüre in Deinen Körper hinein. Was nimmst Du wahr? Wie fühlst Du Dich? Wie sitzt Du? Ist es bequem? Was siehst Du um Dich herum? Sind andere Menschen im Raum? Was tun sie gerade? Ist es still um Dich herum, nimmst Du Geräusche von außen wahr? Wie riecht die Luft, ist sie eher warm oder kalt? Nimm für ein paar Minuten einfach nur wahr, bewerte nicht, was Du wahrnimmst, denke nicht weiter darüber nach, sondern schaue Dich einfach um, höre in Dich hinein, spüre, was Du wahrnimmst. So detailliert wie möglich.

Alles, was Du erlebst, kann zu einer Achtsamkeitsübung werden. Wenn Du dabei wieder abdriftest zu dem anstehenden Abgabetermin, Deiner To-Do – Liste oder einem Gespräch, das Du gerade hattest, nimm auch das wahr und kehre wieder zurück zu dem jetzigen Augenblick. Probiere es einfach einmal aus. Auf dem Weg zur Arbeit, beim Mittagessen oder in einem Moment, in dem Du nicht weiterkommst mit dem, was Du gerade machst. Abgesehen davon, dass Du im Arbeitsalltag weniger gestresst und zufriedener wirst, lernst Du Dich selbst besser kennen.

Achtsamkeit ist ein guter Anfang, zufriedener im Job zu sein. Was ist aber mit denen, die sagen: Ich bin nicht unzufrieden, ich bin einfach nicht glücklich mit dem Job, den ich mache. Woran liegt das?

 

GLÜCKSFORMEL JOB: EXZELLENZ, ETHIK & ENGAGEMENT

Howard Gardner erforscht seit über 20 Jahren die Faktoren, die uns glücklich bei der Arbeit machen. Er ist auf der Suche danach, was er Good Work nennt. 1995 gründete er dazu mit Kollegen das Good Work Project, eine Langzeitstudie über Berufe. Mit einem Fragebogen aus 22 Fragen hat er 1200 Amerikaner befragt.

Seine Formel für Glück in der Arbeit: Streben nach den drei E – Exzellenz, Ethik und Engagement. Mit Exzellenz ist dabei gemeint, kompetent und effektiv in seinem Beruf zu sein. Ethik umschreibt das Thema soziale Verantwortung: Hat der Job, das Produkt, für das ich arbeite, oder mein Verhalten bei der Arbeit, die ich mache, eine positive Auswirkung auf andere? Engagement bezeichnet die Frage, ob wir mit Freude tun, was wir tun, ob wir aufgehen in unserem Job, ob wir gefordert werden.

Am Interessantesten finde ich jedoch, dass Gardner sagt, es sei egal, was für einen Job wir machen. Sofern wir einen Sinn darin sehen, was wir tun.

Was auch immer es anfänglich war, irgendetwas hat Dich am Anfang motiviert, den Job zu machen, den Du heute machst. Vielleicht hast Du einfach nur den Blick dafür verloren. Vielleicht hast Du Dir etwas anderes unter Deinem Job vorgestellt? Vielleicht hat sich Deine Perspektive verändert, seitdem Du damit angefangen hast? Vielleicht hast Du Dich verändert? Das Leben ist Entwicklung und das bezieht auch das Arbeitsleben mit ein. Deshalb ist es wichtig, sich in gewissen Abständen immer wieder zu hinterfragen, ob der Job, den wir machen, noch zu uns passt. Bin ich mit meinen Aufgaben noch gefordert, macht mir Freude, was ich mache? Was muss sich verändern, wenn das nicht mehr so ist?

Wenn Du nicht sicher bist, ob Deine jetzige Arbeit noch zu Dir passt, nimm Dir etwas Zeit und beantworte die folgenden Fragen:

  • Was ist meine Mission? Welcher Sache oder welchen Menschen fühle ich mich in meiner Arbeit verantwortlich gegenüber?
  • Welche Vorbilder habe ich? Warum sind sie meine Vorbilder?
  • Würde ich es mögen, wenn mein Verhalten in meinem Job auf der Titelseite der Tageszeitung abgebildet wäre?
  • Wenn alle in meinem Job so wären wie ich, will ich dann in dieser Gesellschaft leben?

Vielleicht werden Dich die Antworten überraschen und Du bekommst wieder einen neuen Blick auf Deine Arbeit. Wenn die Antworten auf die Fragen sich nicht mit Deinem jetzigen Job vereinen lassen, ist es ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, was Du anstattdessen für einen Job machen willst.

Viele Theorien besagen, dass es den Menschen glücklich macht, wenn er sich auf seine Stärken fokussiert. Eine Erkenntnis der Positiven Psychologie ist, seine sogenannten Signaturstärken möglichst breit einzusetzen. Dadurch, dass wir kräftigen, was bereits stark ist, entsteht ein Flow, der zuletzt auch die Gesundheit stärkt.

Im Internet findest du Tests, die Dir helfen, Deine Charakterstärken und Signaturstärken herauszufinden. Wenn Du weißt, welche das sind, musst Du sie nur noch anbieten. Suche Dir eine Aufgabe in Eurem Team, die Deinen Stärken entspricht und die Du gerne übernehmen möchtest. Gehe offensiv auf Deine Kollegen oder Deinen Chef zu und biete an, diese Aufgabe zu erledigen oder diejenigen, die schon daran sitzen, zu unterstützen.

Was ist aber, wenn es bei Deiner jetzigen Arbeit keine Möglichkeit gibt, Deine Stärken anzubieten oder Du sogar keine Freude daran hast, Deine Stärken einzusetzen? Wenn Dich eben genau das, was Du gut kannst, und wofür immer alle zu Dir kommen, schon eine ganze Weile langweilt?

 

LIEBE WAS DU TUST

Nicht für jeden ist es richtig, seinen Job zu kündigen und noch einmal von ganz vorne anzufangen. Wenn Du aber an dem Punkt angekommen bist, dass Du hinterfragst, warum Du Deinen Job machst oder Du sogar schon angefangen hast, nach etwas zu suchen, das Dich erfüllt, dann habe ich die richtigen Fragen für Dich:

Was sind Deine Stärken und Kompetenzen, die Dir leicht fallen, die Du mit links erledigen kannst und weswegen immer wieder Aufgaben auf Deinem Schreibtisch landen, die Du dann abarbeitest, weil Du es eben gut kannst? Mach eine Liste.

Und jetzt stell Dir die Frage: Was sind Deine Interessen, die Du auch dann gerne verfolgst, ohne dafür Geld zu bekommen? Die Du vielleicht auch jetzt schon immer wieder Deinen Freunden anbietest, ohne dafür etwas zurückzubekommen. Mach eine zweite Liste.

Schau Dir beide Listen an. Symbolisch gesehen geht in Deinem Herzen ein Licht an, wenn Du herausgefunden hast, was Dir soviel Freude macht, dass Du sogar Geld zahlen würdest, um es tun zu dürfen. Es steht auf der zweiten Liste, richtig?

Wenn Dir die Dinge auf der ersten Liste keine Freude bereiten, ist es am Besten, Menschen zu finden, die Dir diese Aufgaben abnehmen können. Oder den Job zu wechseln und dir einen Job zu suchen, der Dir ermöglicht, die Interessen auf der zweiten Liste mehr in den Vordergrund zu rücken.

Wenn Dir nicht gleich ein Beruf dazu einfällt, lass Dich nicht entmutigen.

Es gibt ihn, und wenn nicht, dann kannst Du ihn erfinden. Wo und wer könnte von Deiner Stärke profitieren? Wann wird das gebraucht, was Du anbieten kannst?

Wenn es Dir schwer fällt, alleine darüber nachzudenken, frage Deine Freunde und Deine Bekannten.

Mach Dich selbständig. Biete das, was Dir soviel Freude macht, als Leistung an. Keine Sorge. Du musst ja nicht gleich morgen Deinen Job kündigen. Vielleicht kannst du das, was Du herausgefunden hast, erst einmal als Hobby ausprobieren. Und dann als Nebentätigkeit. Um herauszufinden, ob Du richtig liegst, reichen am Anfang ein paar Stunden die Woche. Fang an zu recherchieren, lies ein Buch zu dem Thema oder befrage andere Personen, die auch das machen, was Du gerne machen willst. Mach Dir einen Plan und fang am Besten heute noch damit an.

Klingt viel zu einfach? Das passende Aber dazu ist nur in Deinem Kopf. Suche Dir einen Coach, mit dem Du an Deinem Traum arbeiten kannst oder besorge Dir einen Ratgeber, der Dich unterstützt, Dich Deinem Ziel Schritt für Schritt zu nähern.

Wenn Du herausgefunden hast, was das Richtige für Dich ist, und dem auch Raum in Deinem Leben gibst, kommt der Erfolg von ganz alleine.

 

Oder in den Worten von Johann Wolfgang von Göthe gesprochen: “Erfolg hat drei Buchstaben: T U N”.

 

Dannie Quilitzsch, 03. November 2015

 

P.S.: Wenn Du nicht genau weißt, was Dich glücklich macht oder Du nicht weißt, wie Du den ersten Schritt in die Richtung Glück im Job machen sollst – in meinem Retreat im September in Portigal hast Du die Gelegenheit, Dich eine Woche lang nur mit genau diesen Fragen auseinanderzusetzen. Mehr dazu hier:
LOVE YOURSELF MORE – Retreat für Life-Coaching, Yoga und Meditation

 

QUELLEN:

Benefits of mindfulness at work: The role of mindfulness in emotion regulation, emotional exhaustion, and job satisfaction.
By Hülsheger, Ute R.; Alberts, Hugo J. E. M.; Feinholdt, Alina; Lang, Jonas W. B.
Journal of Applied Psychology, Vol 98(2), Mar 2013, 310-325.

Positive Affect and the Complex Dynamics of Human Flourishing
By Barbara L. Fredrickson and Marcial F. Losada
Am Psychol. Author manuscript; available in PMC 2011 Jun 29.